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Test & Technik

Transporter: Erste Fahreindrücke von Citroen Berlingo & Co

Mit einer Achtgang-Automatik und einem agilen Benzinmotor setzt der neue Kleintransporter ebenso Akzente wie mit flexiblem Innenraum für Mischnutzer.

Der neue City-Van des Dreigestirns aus Citroen, Peugeot und Opel kommt zwar zuerst als Pkw und peilt prioritär auf den lukrativeren Markt der Familienvans. Antriebs- und Fahrwerkseitig lässt das aber schon einige Rückschlüsse auf die Nutzfahrzeugvariante zu. Eine heiße Empfehlung könnte etwa der agile und samtige Turbo-Benziner sein, der über jeden Emissionszweifel erhaben und für Umweltzonen jeder Couleur gewappnet sein dürfte. Schließlich ist von Anfang an ein Otto-Partikelfilter mit passiver Regeneration mit an Bord. Dass er nur mit drei Zylindern arbeitet, merkt man ihm allenfalls beim Beschleunigen aus dem Stand kurz an. Danach geriert sich das 1,2-Liter-Motörchen äußerst kultiviert und dabei recht zugkräftig. Kleinere Steigungen bügelt man im obersten Gang nieder, das ordentliche Drehmoment erlaubt schnelles Hochschalten, ein Charakter fast wie beim Diesel. Zuckelfahrten nimmt einem der Motor überhaupt nicht übel, brummfrei und im Vergleich zum pointierteren Diesel angenehm gleichmäßig arbeitet sich das Aggregat aus dem Drehzahlkeller. Wer nicht allzuviele Meilen macht und den Mehrverbrauch von etwa einem bis zwei Liter zum Diesel verknapsen kann, der ist mit diesem zudem preiswerten 110-PS-Aggregat gut bedient. Im Temperament steht er jedenfalls dem 75-PS-Basis-Diesel nicht nach, den wir auf einer ersten 111-Kilometer-Runde Stadt und Überland auf 5,6 l/100 km im Verbrauch brachten. Alle Aggregate erfüllen übrigens die Euro-6dTemp-Norm und sollen WLTP- und RDE-Zyklus ebenso klaglos absolvieren.

 

Top: Schnelle und geschmeidige Acht-Gang-Automatik

Fast zu viel des Guten fährt dann der 130-PS-Turbo-Diesel auf, der die angetriebenen Vorderräder des Berlingo mit seinen 300 Nm Drehmoment schon mal in Verlegenheit bringt, wie es überhaupt um die Traktion auf schottrigem Untergrund nicht allzu gut bestellt ist. Die optional verfügbaren elektronischen Traktionshilfen für diverse Untergründe machen da in der Tat Sinn. Im Verein mit der Aisin-8-Gang-Wandlerautomatik stellt diese Kombination hohen Antriebskomfort sicher und vermittelt das Fahrgefühl einer Großraumlimousine. Dem Vernehmen nach soll es den fein und schnell und geschmeidig wie ein DSG-Getriebe sortierenden Wandler allerdings nur für die 130-PS-Top-HDI-Version geben. Das wäre schade, denn gerade KEP-Kuriere könnten die Schalthilfe, die eigentlich immer gut sortiert ist, in der Stadt bestens gebrauchen. Erst recht, weil das Wandlerprinzip offenbar nicht auf den Verbrauch durchschlägt: Mit 5,5 l/100 km absolvierten wir eine 88-Kilometer-Stadt-Überland-Runde, eine zügigere Land/Schnellstraßenrunde schlug mit 6,8 l/100 km zu Buche. Die eingeschränkte Verfügbarkeit wäre umso bedauerlicher, als die firmentypisch hakelige und etwas teigige, auf langen Wegen geführte Handschaltung nicht wirklich Vergnügen bereitet. Außerdem stört die überaus wuchtige Schaltkonsole den Beinraum. Im Falle der Wahl einer Dreierbank ein echter Malus, aber auch so schubbert das Fahrerknie permanent gegen die Konsole.

 

Aktuelle Assistenzsysteme: Aufgeschlossen zum VW Caddy

Massiv nachgelegt hat der Hersteller in Sachen Fahrerassistenz, wo vom Abstandstempomaten bis zum aktiven Spurassistenten oder 360-Grad-Einparkhilfe mit Kameraarsenal in Front, Heck und Seitenspiegeln fast alles verfügbar ist, was die Zuliefer- und Komponentenindustrie an Sensorik bereitstellt. Damit schließt man zugleich zum Assistenz-Primus VW Caddy auf. Der Spurassistent verliert zwar auf der Landstraße immer mal wieder die Führung, weswegen man sich nicht zu sehr darauf verlassen sollte, dass das Fahrzeug mit dann sanft erfolgendem Lenkeingriff zurück in die Spur findet. Doch dieses Feature ist ohnehin mehr für Autobahn und Langstrecke gedacht. Das gilt auch für den Abstandstempomaten, der in den Testfahrzeugen allerdings noch fehlte. Gut gefallen hat uns die Surround-View-Kamera, deren Bild auf eine etwas klobige Konsole anstelle des Rückspiegels geworfen wird. Sie hilft beim Einparken, kann aber auch als "digitaler Rückspiegel" in Fahrt verwendet werden, sofern die Sicht nach hinten blockiert ist. Das ist umso besser, als die Spiegel leider ziemlich untauglich sind für einen City-Transporter. Es fehlt ein Weitwinkel sowie der Blick bis zur Bordsteinkante. Auch die Verkehrsschilderkennung ist meist im Bilde und der Tote-Winkel-Sensor mit LED-Leuchte im Außenspiegel erfüllt seinen assistierenden Dienst gut.

 

Navigation mit Echtzeit-Verkehrsanzeige

Zeitgemäß agiert das 8-Zoll-Navigationssystem mit Touchscreen uns den üblichen Konnektivitätsfeatures und vor allem einer Real-Time-Traffic-Anzeige, die auf die Ankunftszeit stetig die zusätzliche Dauer aufgrund aktueller Verkehrslage addiert - oder wieder auflöst. Ob man nun das sogenannte i-Cockpit von Peugeot mit Bobby-Car-Lenkrad und hochgesetzten Instrumenten favorisiert oder die klassischen Lenkräder bei Citroen oder Opel, ist weitgehend Geschmackssache. Wer allerdings viel in der Stadt kurbeln muss, der wird mit dem sportiv angehauchten, unten und oben abgeflachten Mini-Lenkradkranz nicht wirklich glücklich werden, weil man ganz schön am Kurbeln ist. Dafür kann man sich bei Peugeot dann das Head-Up-Display sparen: Die Instrumente sitzen so schon weit oben im Blick des Fahrers.

 

PSA-DNA: Guter Komfort, geschmeidiges Abrollen

Ansonsten bleibt der Berlingo sich treu: Eher softe und komfortable Federung, geschmeidiges Handling, gute Wendigkeit dank verbessertem Wendekreis, recht leises Abrollen, erst soft reagierende, nötigenfalls aber kraftvoll zupackende Bremsen. Apropos: Die elektrische Parkbremse ist ebenfalls neu im Segment und schafft viel Platz in der Mitte, etwa zum Abstellen einer Tasche. Der Koffer-, respektive Laderaum bietet jetzt noch mehr Platz, falls nötig für zwei Europaletten. Die Sitze im Kombi lassen sich mit einem Handgriff flach legen zu einer ebenen Fläche - ein guter Gimmick für Mischnutzer. Nachteil: Die Beinauflage der weichen, wenig konturierten Fauteuils sind generell eher kurz geraten, man nimmt eine etwas hockende Sitzposition ein. Der klappbare Beifahrersitz erhöht die Nutzungsbreite weiter. Dass man es beim Beladen nicht übertreibt, davor bewahrt die ebenfalls erstmals im Segment verfügbare Überladeanzeige. Als störend für die Übersicht erweisen sich die eher wuchtigen A-Säulen. Ergonomisch sind auch die tief liegenden Türgriffe und der verdeckte Bediensatellit für den Tempomat nicht der letzte Schrei. Dafür protzt der City-Van mit einem riesigen Klappdeckelhandschuhfach, das auch den großen Trucker-Atlas Europa fassen würde, wenn man ihn denn bräuchte.

 

Nfz-Version: Robust- und Langstreckenpaket

Bei den Nutzfahrzeugversionen werden im Übrigen neben der Standardversion in zwei weiteren Ausstattungslevels verfügbar sein: Eine Variante für härtere Arbeitseinsätze mit Höherlegung, drei Sitzplätzen, größeren Rädern, höherer Nutzlast bis 1.000 Kilo sowie Traktionskontrolle. Eine "Asphalt"-Variante für Vielfahrer fährt mit Touchscreen-Navi, Klimaanlage, Surround-View-Kamera, Klimaanlage, Tempomat, Akustikpaket und Komfortsitzen auf. Optional gibt es zur Klappbeifahrersitzbank einen Drehtisch. Originell und ähnlich wie bei der Konkurrenz von Renault im Kangoo: Eine "Crew Cab", bei der sich die Sitzbank runterfalten lässt und die Gittertrennwand hinter den Fahrersitz geschoben wird. Hier lässt sich sogar die Beifahrerseite zusätzlich für Ladung nutzen. Die Nutzfahrzeugvarianten werden allerdings erst ab November 2018 im Markt eingeführt. Noch später, sprich im Verlauf des Jahres 2019 kommen der Benziner sowie die Automatikversion. Wegen der neuen WLTP-Homologation kommt es auch bei PSA zu Staus vor den Prüfständen. Die sollen aber kürzer sein als bei manch anderem Hersteller, sagt ein Verantwortlicher. So will das Trio seine markführende Position im Segment - in der EU27 reklamiert man über 30 Prozent für Peugeot Partner und Citroen Berlingo - behaupten. Oder eigentlich erhöhen: Denn jetzt zählt ja noch der Opel Combo dazu.   

 

 

 

 




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