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Emissionen: Auch Euro-6-Diesel mit schlechten NOx-Werten

Umfassende Studie der Real Urban Emissions Initiative mit 700.000 Fahrzeugen zeichnet ein düsteres Bild über den tatsächlichen Abgasausstoß beim Diesel, auch in Euro 6. Benziner kommen dagegen gut weg.

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In einer umfangreichen Mess-Studie zum Abgasausstoß im Realverkehr hat die NGO Real Urban Emissions Initiative ein erschreckendes Bild über den Abgasausstoß bei Diesel-Fahrzeugen gezeichnet. Die Wissenschaftler des institutsübergreifenden Forschungsverbunds, dem etwa der International Council on Clean Transportation (ICCT), die FIA Foundation und die C40-Cities-Group angehören, stellten bei Euro-6-Dieseln zum EU-Grenzwert bis zu vierfach höhere Stickoxidwerte im Realverkehr fest, die besten Euro-6-Diesel vom Hersteller BMW kamen auf den doppelten NOx-Wert. Motoren der Euro-5-Norm wiesen sogar bis zu 18-fache NOx-Konzentration gegenüber dem Grenzwert der EU auf. Aus Sicht von Peter Mock, der mit dem ICCT auch den VW-Skandal aufgedeckt hatte, sind also auch modernste Diesel mit SCR-Katalysatoren an Bord alles andere als sauber. Kein Selbstzünder erreichte bei den Messreihen den Status "grün", der Fahrzeuge mit weniger als 90 Milligramm pro Kilometer auszeichnet. Mit gelb werden Fahrzeuge bis 180 Milligramm bewertet, darunter einige BMW-Modelle, bei den Diesel die "sauberste" Marke. Im Gegensatz zu den schlechten Ergebnissen der Diesel-Fahrzeuge erzielten alle gemessenen Euro-6-Benziner ein "Gut" oder "moderat" im Ranking der Organisation. Erstaunlich: Nach Herstellern sortiert, führt bei den Benzinern der FCA-Konzern die Euro-6-Liste an. Der Hersteller hatte bei den Diesel-Fahrzeugen in mehreren Straßenmessungen, des ADAC und der Deutschen Umwelthilfe teils verheerende Werte zu verzeichnen. Gefolgt wird FCA von Toyota und Daimler, die in etwa gleich platziert sind. Selbst bei Benzinern der Euro-5-Einstufung erzielte über die Hälfte der Fahrzeuge ein gutes Ergebnis, nur ein kleiner Teil wurde "schlecht" gemessen.

 

Ermittelt wurden die Daten mit einer ungewöhnlichen Methode. An festen Messpunkten in London, Leeds, Barcelona, Zürich und Stockholm maßen die Wissenschaftler den Abgasstrom per Lichtstrahl. Die Fahrer bekamen davon nichts mit. Mittels einer Software wurde das Kennzeichen abgeglichen mit den Datenbanken der Behörden. Damit hatten die Forscher Emissionswert und Fahrzeugtyp in Verbingung gebracht, ohne aber den Halter zuzuordnen. Diese Messtechnik sei in den USA und in China erprobt, wie das ICCT mitteilte. Weitere Messwerte aus Paris und London sollen die Datenbank künftig noch vergrößern. Nutzer können in der Online-Datenbank ihr eigenes Fahrzeug abfragen, klassifiziert nach Hersteller, Typ, Modell, Antriebsart und Motorgröße. Sowohl Pkw als auch leichte Nutzfahrzeuge sind in der Datenbank enthalten. So weist etwa der deutsche Bestseller VW Transporter T6 Euro 6 ebenso schlechte NOx-Werte auf wie der Bestseller der 3,5-Tonnen-Klasse, der Mercedes-Benz Sprinter Euro 6. Auch der Mercedes-Benz Vito, für den das Kraftfahrtbundesamt KBA jetzt einen amtlichen Rückruf wegen illegaler Abschalteinrichtungen angeordnet hat, bekommt nur ein "rot". Gleiches gilt für den Renault Trafic mit 1,6-Liter-Motor. Aber auch die französischen Landsleute und Pioniere für mehr Transparenz von PSA kommen mit ihren Modellen schlecht weg. Der Peugeot Expert/Traveller liegt ebenfalls im "roten" Bereich und erhält ein "poor" für seinen NOx-Ausstoß, sowohl mit 1,6- als auch mit 2,0-Liter-Motor.

 

Unser Fazit:

Wenn man den umfangreichen Messreihen der ICCT-Forscher glauben darf - und die gelten in der Branche eigentlich als äußerst seriös - dann ist das Märchen vom sauberen Diesel hiermit beendet. Zumindest bis die jüngste Generation von Euro-6d-temp-Fahrzeugen das Gegenteil beweist. Doch nach all den Versprechungen von Sauberkeit sollte man als Käufer hier äußerst skeptisch sein. Wobei relativierend gesagt werden muss: Stickoxid ist nicht alles, auch der beim Benziner ebenfalls anfallende, nicht minder gefährliche Feinstaub und der im Zweifel höhere CO2-Ausstoß schlagen umweltmäßig selbstredend auch ins Kontor. Es scheint wie ein Dilemma ohne Ausweg. Aber nur, wenn man im gleichen Raster und Pfad verbleibt. Denn all diese Emissionssorgen, die hat weder ein Erdgasauto noch ein (mit Ökostrom) betriebenes Elektrofahrzeug. Doch dafür braucht es einen Systemwechsel.




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