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Test & Technik

Vorstellung Opel Combo: Immer schön flexibel bleiben

Mit dem Combo Life stellt Opel das dritte Modell mit PSA-Genen vor. Der ist dank flexiblem Gestühl ein Tipp für Mischnutzer, punktet mit hohem Niveau an Fahrassistenz und Euro-6d-Motoren. Antriebsalternativen bleibt er (noch) schuldig.

Der Combo wird erwachsen: Waren die ersten Vertreter seines Namens noch wie damals üblich Kompakt- oder Kleinwagen mit Kastenaufbau, treibt die Neuauflage dem Combo mit Namenszusatz „Life“ endgültig diese Gene aus. Und legt den Schalter um auf Großraumlimousine. Erstmals soll der Combo und seine baugleichen Geschwister unter dem PSA-Dach Citroen Berlingo und Peugeot Partner also keine eher gewerblich-praktisch inspirierten Transporter mit Kombiausbau sein, sondern sie wollen Komfort und Sicherheit auf Pkw-Van-Niveau bieten. Das ist zumindest der Anspruch des Herstellers – oder besser der Hersteller. Denn Opel reklamiert für sich einen nicht geringen Anteil am Konzept des seit 2012 gemeinsam entwickelten K9-Projekts, das weit vor dem Opel-Verkauf durch GM an PSA in die Pipeline geschoben worden war, wie man anmerkt. Dass das alles sich jetzt so wundersam fügen würde und dem K9-Projekt schon 2019 der zweite Streich in Form des neuen Vivaro auf PSA-Basis folgt, war wahrlich nicht abzusehen. Vor allem im Interieur wollen die Opelaner ihren gestaltenden Einfluss geltend gemacht haben und drangen statt das aufrecht stehenden „Armaturenbretts“ im Vorgänger auf eine elegant gemachte, geradlinig designte und doch praktische Linie. Vorbild war kein geringerer als der VW Caddy.

 

Klappt prima: Ein Top-Tipp für Mischnutzer

Ganz reicht man allerdings nicht an der Original heran: Die Beinfreiheit wird von der wuchtigen Mittelkonsole schon arg in Mitleidenschaft gezogen. Die zum Herbst angekündigte Nutzfahrzeugvariante wird hier deutlich schlanker, allein schon, um weiter Platz für einen "dritten" Mitfahrer in Reihe 1 zu lassen. Dafür punktet der Combo Namenszusatz „Life“ mit dem Van-Know-How aus dem Zafira: In Reihe Zwei lässt sich das wahlweise als Einzelsitze oder Sitzbank ausgeführte Gestühl mit einem fast VW-like soliden Ruck flachlegen, womit der Kombi ruckzuck in einen Transporter mit 2.130 Liter Laderaum verwandelt. Bei der XL-Version mit 35 Zentimeter mehr Länge sind es sogar knapp 2.700 Liter. Normal sind es 600 bis 850 Liter hinter der zweiten Reihe. Wer den Beifahrersitz noch umlegt, hat eine Länge von 2.70 bis 3.05 Meter zur Verfügung. Ergänzen lassen sich noch zwei weitere 14 Kilo schwere, faltbare Einzelstühle, dann wird der Combo zum Sechs- oder Siebensitzer. Ungezählt sind die Staufächer, bei denen die 36-Liter-Box unterm Dach sowie die Galerie längs durchs Fahrzeug besonders auffällt. Clever, aber nur in dieser Klasse neu ist auch die separat öffenbare Heckscheibe, was gut funktioniert. Nachteil der Flexibilität: Die recht weich gepolsterten Rücksitze sind nicht sonderlich groß formatiert, es fehlt an Beinauflage und Schulterbreite.  

 

Vorne versucht Opel mit einem eigenständigen Lenkrad aus dem Konzernbaukasten sowie eigenem Instrumentencluster Akzente zu setzen. Ansonsten übernimmt man alle Hardware-Features, etwa das 8-Zoll-Touchscreen-Multimediasystem, das etwas klotzig im Raum steht, aber selbstredend alle aktuellen Connectivity-Gadgets wie Apple Carplay & Co beherrscht. Auch induktives Laden ist möglich.

 

Alleinstellung: Sauber nach Euro 6d Temp

Antriebsseitig hebt der Hersteller die Homologierung der zwei in verschiedenen Leistungsstufen erhältlichen Diesel- und Benzin-Motoren nach der neuesten Euro-6d-Temp-Norm hervor, was in dieser Klasse tatsächlich derzeit eine absolute Alleinstellung ist. Der Dreizylinder-Turbo-Benziner, zudem ausgerüstet mit einem wartungsfreien Partikelfilter, empfiehlt sich für Wenig- und Stadtfahrer, der 1,5-Liter-Diesel wird dem 2,3-Tonner, der bis zu 800 Kilo Zuladung und 1,5 Tonnen Anhängelast packen soll, noch mehr gerecht. Auch eine Achtgang-Automatik bietet sonst keiner im Segment an, VW hält allenfalls mit dem 6-Gang-DSG dagegen. Zu den Verbräuchen schweigt der Hersteller aber noch ebenso wie zu den Preisen. Weitere Antriebsalternativen lassen auf sich warten, der lange Zeit von Opel propagierte Erdgasantrieb erfährt keine Fortsetzung. Um die Flottengrenzwerte einzuhalten, setzt der PSA-Konzern stattdessen auf eine (Plug-In)Hybridisierung, der irgendwann eine komplette Elektrifizierung folgen soll.   

Da ist man in Sachen Fahrerassistenz weiter, wo Head-Up-Display, ein Abstandstempomat, ein Frontkollisionswarner mit Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung, ein Spurhalteassistent oder Verkehrsschild- und Müdigkeitserkennung sowie ein von zwölf Sensoren getragener Flankenschutz zum (teils aufpreispflichtigen) und automatischer Parkassistent zum Portfolio gehört. Auf das beheizte Lederlenkrad könnte man da glatt verzichten. Immer mit an Bord: Die dem ersten Eindruck nach burgsolide Verarbeitung der Karosserie.

 

Unser Fazit:

Eine Innovationsmaschine ist der brave Opel Combo Life sicher nicht. Muss er aber auch nicht sein, denn seine Innovation kommt vielleicht hausbacken daher, hat es aber in sich, im wahrsten Sinne. Sein Thema ist die Transporteffizienz: Bis zu sieben Personen oder fünf Leute jede Menge Gepäck, dazu 1.500 Kilo Anhängelast will das deutsch-französische Trio kombinieren mit geringem Schadstoff- und wohl auch CO2-Ausstoß auf Euro6. Zudem fährt der Combo in Sachen Fahrerassistenz sowie Konnektivität in dieser Klasse ganz vorne mit und überholt sogar den Primus VW Caddy.  

 




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