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Elektromobilität: E-Actros als Verteiler soll 2018 starten

Der Daimler-Lkw-Chef Martin Daum äußert sich in einem Interview skeptisch zu den Tesla-Plänen für einen vollelektrischen 40-Tonnen-Fernverkehrs-Lkw. Stattdessen will der Hersteller noch in diesem Jahr seinen schweren E-Verteiler-Lkw vorstellen.

Der Chef der Daimler-Lkw-Sparte Martin Daum hat sich in einem Interview skeptisch über die Pläne des Konkurrenten Tesla geäußert, im nächsten Jahr mit einem vollelektrisch angetriebenen 40-Tonnen-Lkw für den Fernverkehr an den Start gehen zu wollen.  "Anfang 2018 gibt es noch keine Batterietechnologie, die reif genug wäre, zu einem vertretbaren Preis 40 Tonnen mindestens 500 Kilometer bei jedem Wetter und bei jedem Terrain durch die Gegend zu fahren", erklärte Daum im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Er sehe darüber hinaus keine Batterie, die eine Lebensdauer von einer Million Kilometer hat, was aber die Anforderung für einen konventionellen Lkw sei.

 

Man achte den Hersteller gleichwohl als ambitionierten Herausforderer mit "effektvollen Ankünigungen" und werde selbstverständlich auch zwei Exemplare des sogenannten Tesla Semi Trucks zu Versuchszwecken erwerben. Daimler Trucks konzentriere sich statt auf den Fernverkehr mehr auf die City- und Verteilerlogistik, so Daum gegenüber der Zeitung. Nach dem leichten Frontlenker eCanter, der vor kurzem zu ersten Kunden in erweiterte Feldtests ging, kündigte er noch für dieses Jahr neben dem Elektro-Stadtbus Citaro einen elektrifizierten Actros für den schweren Verteilerverkehr an, der als Urban eTruck bereits als seriennahe Studie vorgestellt worden war. Eigentlich wollte der Hersteller bereits 2017 in erste Feldtests mit dem Fahrzeug starten, wie im Februar 2017 angekündigt.

 

E-Mobilität senkt Markteintrittshürde

Grundsätzlich konstatiert Daum mit der Elektrifizierung eine niedrigere Markteintrittshürde für neue Hersteller. Man verfolge die Pläne etwa von Nikola Motors und Bosch, die für 2021 einen schweren Lkw und Sattelzugmaschine mit Wasserstoffantrieb angekündigt haben sowie die Pläne mehrerer chinesischer Hersteller weder mit Angst noch mit Arroganz, sondern mit Respekt. Dennoch habe man dem viel eigenes Know-How entgegenzusetzen, erklärte der Truck-Manager, der das Amt vor einem Jahr von dem überraschend ausgeschiedenen Wolfgang Bernhard übernommen hatte und seit 30 Jahren im Konzern arbeitet, zuletzt als Lkw-Chef in den USA.

 

Autonomes Fahren nur bei Platooning oder im Tagebau

Auch beim Thema autonomes Fahren mit Lkw äußerte der Daimler-Lkw-Chef Skepsis gegenüber den optimistischen Tesla-Ansagen. Im Hinblick auf rechtliche und technologische Aspekte  sehe er derzeit keine Voraussetzungen, das zu erlauben, erklärte Daum. Ausnahmen für die baldigere Anwendung autonomer Technologie im Lkw sind aus seiner Sicht abgesperrte Areale wie der Tagebau sowie das sogenannte Platooning, bei dem mehrere Lkw in Kolonne fahren und so die Effizienz erhöhen. "99,9 Prozent Sicherheit reichen da nicht, auch nicht 99,99 Prozent. Das wäre ein Fehler auf 1.000 oder 10.000 Kilometer. Wir dürfen auf vielen Millionen Kilometern keinen Fehler zulassen", forderte Daum. Deswegen sehe er den fahrerlosen Lkw, der im Verkehr mitschwimme, auf absehbare Zeit nicht.

 

Fazit: 

Mit dem Selbstbewusstsein des größten Lkw-Bauers der Welt rückt der Daimler-Chef die hochfliegenden Pläne von Tesla-Visionär Elon Musk für einen elektrisch angetriebenen 40-Tonner zurecht. Und setzt eine reellere und deutlich plausiblere Anwendung entgegen: Im Verteiler-Segment, durchaus auch für schwere Elektro-Lkw. Nachdem der leichte Fuso eCanter bereits Ende 2017 zu den ersten Kunden rollte, darf man der Ankündigung eines E-Actros für dieses Jahr durchaus Glauben schenken. Schließlich steht im Herbst eine IAA Nutzfahrzeuge an, auf der Daimler zeigen will, wer den Lastwagen erfunden hat - und jetzt neu erfinden will.




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