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Test & Technik

Elektromobilität: So fährt sich Toyotas Wasserstoffauto

Bei einer ersten Runde mit dem Brennstoffzellenfahrzeug Mirai hinterlässt die Technik einen sehr ausgereiften Eindruck. Sie wäre vielseitig einsetzbar, auch im Transporter oder Gabelstapler.

Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen: Toyota Material Handling hatte zur Besichtigung seiner Werkstatt und Ersatzteillager in Hannover-Isernhagen geladen. Und als "Sidekick" einen Mirai von den Geschwistern aus der Pkw-Sparte bereitgestellt. Die Chance auf eine kleine Tour in die Zukunft der Mobilität. Und die lässt sich spektakulär unspektakulär an, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wie bei Elektro-Fahrzeugen üblich, folgt auf das Starten des Motors mittels magisch-blau glimmendem Button kein Gebrumme, es ist fast wie bei einem Fernseher, den man aus dem Standby-Modus holt. Umso spektakulärer aber der Antritt: Wenn es denn sein muss - oder einfach weil es Spaß macht - schnellt der Mirai fast katapultartig aus den Startlöchern. Klar: Das 3,5-Tonner-mäßige Drehmoment von strammen 335 Nm liegt aus dem Stand an, da sind die 155 PS formaler Leistung eher Makulatur. Damit lässt der Mirai jeden Porsche alt aussehen, was aber natürlich nicht Sinn der Übung ist, schon um den Verbrauch an Wasserstoff nicht über Gebühr in die Höhe zu treiben, formal 0,76 kg/100 km.

 

Schließlich gibt es in der ganzen Region Hannover bisher noch keine Zapfstelle. Das soll sich allerdings bald ändern: Ausgerechnet in der Höhle des Löwen ins Wolfsburg soll eine H2-Füllanlage entstehen, wie uns der Begleitfahrer erzählt. Bundesweit sind es mittlerweile 23, nach der Air-Liquide-Station in Offenbach eröffnet in der nächsten Woche eine H2-Station von Shell an der BAB 81 in Geisingen. Bei aller Freude an der Beschleunigung, die mangels Verbrennungsgeräuschen übrigens nur vom Betriebsgeräusch des elektrischen Luftpressers und beim Verzögern von einem eigens eingespielten sphärischen Klang begleitet wird: Die geräuschlose-geschmeidige Souveränität des Gleitens entspricht eher dem Naturell des Mirai. Wie passend, dass das hochwertig verarbeitete Cockpit des Mirai futuristisch anmutet wie in einem Raumschiff, man schwebt ja auch fast dahin. Denn die stattliche Fünf-Meter-Limousine befleißigt sich eines ordentlichen Federungskomforts, der den etablierten Kräften a la Audi A6 kaum nachsteht. Dank tiefem Schwerpunkt der Technik, zwei kohlefaservestärkte Kunststoff-Wasserstofftanks (700 bar!) mit fünf Kilogramm Kapazität, weitere Antriebskomponenten, die Batterie, liegt der Mirai zudem satt auf der Straße.

 

Auch die Platzverhältnisse auf der Rückbank sind recht ordentlich, der zerklüftete Kofferraum mit 361 Liter allerdings etwas klein. Hier muss aber auch eine relativ schlichte Nickel-Metall-Hydrid-Batterie Platz finden, die die in zwei Modi zurückzugewinnende Bremsenergie aufnimmt und sie beim Anfahren sofort bereitstellt. Denn eigentlich ist der Mirai im Grunde seines Herzens ein mittlerweile millionenfach bewährter "Prius"-Hybrid mit einem Brennstoffzellen- statt Benzin-Aggregat als Hauptantriebsquelle. Im Normalbetrieb kommt der Vortrieb dann aus der Brennstoffzelle, ein komplexes Konstrukt aus sogenannten Stacks mit feinmaschigen 3-D-Kanälen für höhere Effizienz und Leistungsausbeute, die in der Umsetzung von Wasserstoff und Sauerstoff Strom produziert. Ja, und eben Wasser.

 

Das ist vielleicht der überraschendste Augenblick bei der kurzen Tour mit dem Mirai: Es gibt eine Art "Entwässerungstaste". Die sorgt dafür, dass sich das Heck in Sekundenschnelle in Wasserdampf hüllt. Noch ein magischer Moment. Den spendiert auch ein Blick in die Preisliste: 78.000 Euro, dafür gibt's bei Audi ein Avant-Topmodell S6 mit 450 PS, quattro-Antrieb und 4,0-Liter-Achtzylinder-BiTurbomotor (und Realverbräuchen weit jenseits der 12-Liter-Marke). Aber hey, ist das nicht ein bisschen 20. Jahrhundert ... "Dafür ist der Mirai fast vollausgestattet. Die Aufpreisliste ist sehr kurz. Und die Wartungskosten extrem niedrig", rechtfertigt der Verkaufsmann den Preis. Und serienmäßig mit an Bord ist ein unvergleichliches "Avantgarde"-Gefühl. Das lässt einen dann auch schnell über das lückenhafte Tankstellennetz hinwegblicken respektive -gleiten. Immerhin kommt man ja knapp 500 Kilometer weit, da wird sich dann schon ein H2-Reservoir finden, das man übrigens binnen drei Minuten wieder verlässt. So schnell geht der Tankvorgang von statten. Wenn es beruhigt: Nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sollen es bis Ende 2016 schon 50 sein, da müsste jetzt wie beim Adventskalender jeden Tag quasi ein H2-Türchen aufgehen. Jetzt muss der Wasserstoff nur noch aus überschüssiger erneuerbarer Energie hergestellt werden, dann kann das H2-Zeitalter kommen. Wir haben jedenfalls schon mal reingeschmeckt ...


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