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Technologie im Test: DHL rüstet auf für Logistik 4.0

Zustelldrohnen, Augmented-Reality-Brillen, Roboter im Lager: Mit einer Reihe technischer Neuheiten macht sich die Deutsche Post DHL fit für die Zukunft.

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In Sachen ideenreicher und grüner Logistik geht die Sparte DHL Supply Chain der Deutsche Post DHL Group forsch voran. Der Versanddienstleister will die Arbeitsbedingungen durch technische Hilfsmittel wie Datenbrillen und autonomen Robotern erleichtern und auf der Straße durch Elektrofahrzeuge umweltschonender zu liefern. Außerdem forscht DHL mit dem „Paketkopter“ seit 2013 an der Belieferung von schwer zugänglichen Standorten per Drohne.

Das aktuellste Beispiel, wie DHL sich in der Logistik 4.0 behaupten will, ist das globale „Augmented Reality“-Programm. Das Unternehmen will in den kommenden Monaten den Nutzen der optischen Lagerführung per Google- beziehungsweise Vuzix-Datenbrille unter Anleitung der Ubimax-Software herausfinden. Getestet wird unter anderem in den Branchen Technology, Retail, Consumer und Automotive. Die Datenbrillen visualisieren beispielsweise im Blickfeld des Trägers, wo zu pickende Artikel liegen und in welcher Stückzahl sie benötigt werden. Mit dem „Vision Picking“ genannten Verfahren habe der Kommissionierer die Hände frei von Scannern und Tablets und könne Aufträge deshalb nicht nur schneller, sondern auch fehlerfreier ausführen, so DHL. Erste Tests wurden im Ricoh Werk in Bergen op Zoom, Niederlande, durchgeführt.

Als lagerinterne Transporthilfe könnte bei DHL bald der EffiBOT dienen. In Kooperation mit dem französischen Startup Effidence testete man den vollautomatisierten Roboter-Rollwagen. Der EffiBOT folgt Kommissionierern eigenständig und wird vom Lagerarbeiter beladen. Fertig bestückt fährt der Wagen ebenfalls automatisch zur Entladestelle, wo er sich entlädt und anschließend wieder zum Kommissionierer zurückkehrt. Auch hier sollen freie Hände und reduzierte körperliche Belastung das Arbeiten vereinfachen. Der Test wurde im Frühjahr 2016 am DHL-Standort Unna abgeschlossen. Ob und wann der Roboter dauerhaft eingesetzt wird ist aber noch nicht klar. „In den nächsten Wochen wird DHL weitere Versuche mit unterschiedlichen Roboterarten und -systemen durchführen“, sagt Markus Kückelhaus, Leiter des Bereichs Innovation & Trend Research bei DHL Customer Solutions & Innovation. „Anhand der Ergebnisse wird dann entschieden, welche Technologien auf Dauer bei DHL eingeführt werden, um uns in der automatisierten Zukunft der Logistik entsprechend zu etablieren.“

Doch nicht nur in ihren Lagerhallen versucht die Deutsche Post DHL, sich weiterzuentwickeln. Auch auf der letzten Meile geht das Unternehmen neue Wege. Eines der spektakulärsten Projekte bei der Auslieferung an Kunden ist der „Paketkopter“. Die Drohne soll vor allem schwer zugängliche Standorte schnell mit Paketen beliefern. Getestet wurde das helikopterähnliche Transportmittel auf der Insel Juist und in der bayrischen Gemeinde Reit im Winkl. Mittels einer speziell entwickelten Packstation, dem Parcelcopter SkyPort, konnten Privatkunden in Reit im Winkl und auf der Winklmoosalm während der dreimonatigen Testphase direkt per Paketkopter versenden und empfangen. „Wir sind weltweit die ersten, die eine Transportdrohne – bei uns der Paketkopter – für einen Endkundenzugang einsetzen können. Mit dieser Kombination aus vollautomatisierter Be- und Entladung des Fluggeräts, erweiterter Flugdistanz und Traglast haben wir alle technischen und prozessualen Verbesserungen erreicht, um diese Lieferoption langfristig auch im urbanen Raum zu erproben“, so Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Post – eCommerce – Parcel der Deutschen Post DHL Group.

In Ballungsräumen setzt das Unternehmen hingegen verstärkt auf seinen elektrisch angetriebenen Transporter „Streetscooter“. Rund 1.000 der emissionsfreien Lieferfahrzeuge wurden bereits produziert. Bochum ist laut DHL die erste deutsche Stadt, die komplett CO2-frei beliefert werden soll. Insgesamt sind dort bereits 24 Elektrofahrzeuge in der Innenstadt im Einsatz. Bis Ende des Jahres sollen es 65 sein und im Laufe des Jahres 2017 soll das ganze Stadtgebiet umweltfreundlich beliefert werden. Bis zu 195 Tonnen Kohlendioxid will man in der Revierstadt so einsparen. Mittelfristig sollen Elektrofahrzeuge die herkömmliche Zustellflotte komplett ersetzen. Selbst Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lobte: „Die Deutsche Post setzt hier ein deutliches Zeichen. Wir brauchen mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich. Die Paketzustellung ist ein Pioniersegment der Elektromobilität.“

Dass DHL damit auch jenseits der Politik Aufsehen erregt, zeigt die Reaktion des Autobauers Volkswagen auf den Streetscooter. VW-Chef Matthias Müller hat sich in einem Pressegespräch verärgert gezeigt über die Initiative der Deutschen Post DHL zur eigenständigen Fertigung von Elektroautos für den Lieferverkehr. „Mich ärgert das maßlos“, zitierte die Wirtschaftswoche den Automanager. Er frage sich, warum die Deutsche Post so etwas nicht gemeinsam mit VW auf die Beine stelle. Er habe den zuständigen VW-Nutzfahrzeuge-Chef Eckhard Scholz gebeten, Kontakt zur Deutschen Post aufzunehmen. „Wir werden sehen, ob wir da noch einen Fuß in die Tür kriegen“, so Müller.

Inwiefern die dargestellten Prozesse eine Rolle in der kommenden Automatisierungsrevolution spielen werden, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. DHL Supply Chain wird wohl als eines der ersten Unternehmen diese Technologien großflächig in seine Betriebsabläufe integrieren.


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