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Kommentar E-Mobilität: Gezielt fördern statt mit der Gießkanne

Beim E-Autogipfel im Kanzleramt wurde mal wieder etwas vergessen: Wie viel sinnvoller die Förderung gewerblicher Elektromobilität wäre. München macht's besser.

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Sie kommt also doch, die Kaufprämie für (private) Elektroautos: 4000 Euro waren der gemeinsame Nenner im zähen Ringen zwischen Finanzministerium und Autoindustrie. Doch im sturen Streben danach, das große Eine-Million-Ziel zu halten, gerät fast in Vergessenheit, dass es sich bei der Elektromobilität nicht um einen Akt der Industrieförderung handeln sollte, sondern um ein Mittel, den Verkehr nachhaltiger zu organisieren und den Klimaschutz gemäß Pariser Vertrag voranzubringen. Vor allem die Städte ächzen unter dem Dauerstau, Feinstaub- und Stickoxidwerte wollen nicht sinken, aus guten Gründen, wie man spätestens seit Veröffentlichung des KBA-Abgasberichts weiß. Die E-Mobilität könnte da durchaus einen Beitrag leisten. Die Frage ist nur, ob man Fördergelder nicht gezielter einsetzen kann, als dem Otto-Normal-Haushalt per Prämie zu einem schicken Zweitwagen zu verhelfen, mit dem man dann ökologisch korrekt zum Shoppen in die Stadt surren kann.

 

Den könnten viele deutsche Bürger sich, wenn sie wollten, übrigens auch schon jetzt leisten. Durchschnittlicher Preis eines Neuwagens in Deutschland im Jahr 2015: 28.000 Euro. Dafür gäbe es auch einen Renault Zoe, einen Nissan Leaf oder fast schon einen BMW i3. Übrigens: Elektromobilität millionenfach, die gibt es schon - die Deutschen kaufen wie wild elektrisch unterstützte Fahrräder, ganz ohne Förderung. Einfach weil die Produkte überzeugen und sie eine ganz neue Art der Fortbewegung schaffen, die weniger Platz und Ressourcen verbraucht und damit wirklich in die Zukunft weist. 8 g/CO2 pro Kilometer stößt ein Pedelec im Schnitt aus. Hier schlummern die wahren Potenziale.

 

Es kann jedenfalls nicht die Absicht einer Förderung sein, die einen Autos durch die anderen zu ersetzen, denn Platzbedarf und Fahrzeugaufkommen bleiben hier gleich. Das war wohl auch ausschlaggebend für die Stadt München, ihr Elektro-Förderprogramm ausschließlich und speziell für gewerbliche Zwecke zu gestalten, übrigens auch auf Lasten-Pedelecs und E-Scooter zu erstrecken. Gerade auch KEP- und Lieferdienste könnten hiervon profitieren. Sie operieren in einem Bereich, in dem die Margen so gering sind, dass der Kauf eines alternativen Fahrzeugantriebs normalerweise nicht annähernd in Betracht gezogen wird - von einzelnen Leuchtturmprojekten abgesehen, wie etwa der rührigen Bäckerei Schüren in Hilden, die es in ihrer bundesweiten Einzigartigkeit bis in die ZDF-Hauptnachrichten schaffte. Der Nutzen für Anwender und Anwohner wäre ungleich größer, weil diese Fahrzeuge viele Kilometer machen und tagtäglich in der Stadt unterwegs sind. Der Entlastungseffekt bei Geräusch- und Abgasemissionen würde sofort spürbar.

 

Gut, dass die Stadt München so konsequent ist, auch das Tanken mit Ökostrom zu prämieren. Denn generell muss man sagen, Elektromobilität ohne Energiewende, das macht keinen Sinn. Nach derzeitigem Strommix in Deutschland ist ein Elektroauto auch nicht viel umweltfreundlicher unterwegs (ca. CO2 ca. 133 g/km), die CO2-Emissionen entstehen eben trotz allem Zuwachs bei den Regenerativen im Kohlekraftwerk und nicht mehr vor Ort. Zero-Emission ist derzeit Augenwischerei, erst recht ohne Ökostrom. Zudem werden sich beim massenhaften Einsatz von Elektrofahrzeugen ganz andere Probleme ergeben, in Bezug auf die Ressourcenbeschaffung der sogenannten seltenen Erden aus Problemstaaten etwa oder auf den hohen Energiebedarf in der Produktion der Batterien. Ganz abgesehen von der Recyclingfrage.

 

Die Städte brauchen nicht Elektroautos statt konventioneller Autos, sie brauchen vor allem weniger Fahrzeuge. Und sie brauchen eine klare Priorisierung: Gewerbliche Verkehre, nicht zuletzt die Transporteure und Logistiker müssen Vorfahrt haben, denn sie sichern, wie es so schön heißt, die Grundversorgung der Städte. Lkw fahren übrigens schon heute als Euro-6-Diesel ohne Wetterfühligkeit wie selbstverständlich schadstoffarm, ein Actros sauberer als eine C-Klasse. Und morgen im Idealfall dann elektrisch oder mit dem in der Diskussion völlig ausgeblendeten Erdgasantrieb, der aus dem Stand auch viele Probleme in Sachen Stickoxid und Feinstaub lösen könnte. Förderung mit der Gießkanne macht keinen Sinn, das hat schon die ressourcenverschwendende Abwrackprämie gezeigt. Förderung mit Köpfchen ist dagegen gefragt. Dann könnte die Elektromobilität ein Instrument zum Einstieg in eine Verkehrswende sein.


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