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Abgasskandal: Nachrüstungen für Euro-5-Diesel sollen doch kommen

Verkehrsminister Andreas Scheuer deutet eine teilweise Kehrtwende an und appelliert an die Autoindustrie, auch mit Rücknahmeangeboten alter Diesel entgegenzukommen. Daimler startet mit Software-Updates. Nur langsames Wachstum bei Euro-6-Diesel.

Nun also doch: Nach langer Blockade deutet Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Wende in seiner Haltung zu Nachrüstungen bei Euro-5-Diesel-Fahrzeugen an. Man wolle sich "technische Gedanken machen, wie wir bestehende Fahrzeuge noch sauberer bekommen", verbreitete der Minister über Twitter und gibt damit offenbar auch dem Druck von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und aus Teilen der Schwesterpartei, speziell aus dem Bundesland NRW nach. Scheuer verknüpfte dies mit einem Appell an die Industrie: "Dazu brauchen wir aber auch die Autohersteller", ohne deren Bereitschaft "für die Zukunft des Diesel zu sorgen", werde man ein solches Konzept nicht umsetzen können.

 

"Höchstattraktive Angebote" für Rücknahme gefordert

Scheuer forderte zugleich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den Besitzern alter Diesel müssten "höchstattraktive Angebote für den Wechsel in saubere Autos" gemacht werden, um Fahrverbote zu vermeiden. Er verhandle hierzu mit den Herstellern. Bisher lehnt die Industrie Nachrüstungen als zu aufwändig, langwierig und ineffizient ab. Scheuer bezifferte die Zahl der umrüstbaren Fahrzeuge auf maximal zwei Millionen von 5,5 Euro-5-Diesel in Deutschland. Nur hier sei der notwendige Bauraum vorhanden. Die Kosten taxierte der Minister auf mindestens 3.000 Euro pro Fahrzeug. Bei 3,1 Millionen Euro-4-Diesel sei die Nachrüstung überhaupt nicht möglich, so Scheuer. Grundsätzlich solle man nur bei den Fahrzeugen nachrüsten, bei denen das technisch und wirtschaftlich möglich sei, plädierte der Minister. Er sehe das vor allem bei Bussen und kommunalen Fahrzeugen.

 

ADAC-Test: Weniger NOx, dafür mehr CO2

Ein Test des ADAC mit unterschiedlichen Systemen ergab zudem, dass sich zwar die Stickoxide wirksam reduzieren lassen, im Umkehrschluss aber der Verbrauch ansteigt, zudem der weitere Betriebsstoff AdBlue getankt werden muss. Langzeitstudien über die Folgen des Einsatzes von Nachrüst-Kats gibt es bisher ebenso wenig. Die Industrie verweist auch auf die umfangreichen Zulassungsfomalitäten, die mit Nachrüstlösungen einhergingen. Nach dem Dafürhalten von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die die Nachrüstung mit SCR-Kats für machbar und wirksam hält, soll die Industrie allerdings dafür bezahlen. Im Gespräch sind 1.500 bis 3.000 Euro an Einbaukosten. "Die Industrie hat uns das Problem eingebrockt, und sie muss nun auch helfen, es zu lösen", erklärte die Minsterin jüngst.

 

Daimler beginnt mit Software-Updates

Derweil hat der Autohersteller Daimler bekannt gegeben, gerade mal mit dem Software-Update für mehrere hundertausend seiner Fahrzeuge zu starten, für die das KBA wegen einer laut Behörde illegalen Abschalteinrichtung einen Rückruf angeordnet hatte. Gestartet wird neben dem SUV-Modell GLC vor allem mit dem zuvorderst betroffenen Kleintransporter und Van Vito und V-Klasse. Der Hersteller wehrt sich derzeit noch per Widerspruch gegen den Vorwurf, die bemängelten Motorsteuerfunktionen seien illegal.

 

Umweltprämie: Der Großteil fließt in alte Diesel

Unterdessen wurde ebenfalls bekannt, dass die Autokäufer die sogenannte Umweltprämie der Hersteller, die nach dem Diesel-Gipfel im Sommer 2017 eingeführt worden war, bisher kaum für den Kauf von vermutlich sauberen Euro-6-Diesel-Modellen - auch hier hatte der ADAC Fahrzeuge mit weit erhöhten Werten getestet - nutzen. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, flossen die Gelder der Prämie wohl mehrheitlich in Euro-5-Modelle. Nur 40.000 Fahrzeuge der zwischen September 2017 und August 2018 zugelassenen Diesel entsprächen der jüngsten Norm Euro6d-temp, die auch den Abgasausstoß im realen Verkehr berücksichtigt. Davon waren 12.000 Fahrzeuge vom Hersteller Volvo, der seine aktuellen Modelle fast ausschließlich nach neuester Diesel-Norm anbietet sowie 9.000 von BMW. Lediglich 2.000 VW-Modelle mit Euro-6-Diesel wurden zugelassen. 

 

Unser Fazit:

Es ist ein Dilemma, in das sich und die Kunden die deutsche Autoindustrie da manövriert hat: Jetzt durch Manipulation schmutzige Diesel in saubere Fahrzeuge umwandeln, ist zeitraubend, teuer und zweifelhaft im Bezug auf den Klimaschutz. Was weniger NOx vielleicht in den Städten nützt, schadet mehr CO2 der Atmosphäre. Zweifelhaft von der Gesamtökobilanz ist auch, mit hohem Energieaufwand produzierte, gar nicht mal so alte Fahrzeuge wie damals bei der sogenannten "Abwrackprämie" zu verschrotten - welch eine Ressourcenverschwendung!

 

Die Lage ist verfahren und der Knoten fast nicht lösbar, auch wenn die Polititk jetzt endlich zur "Action" ruft, es handelt sich doch eher um Aktionismus. Und die Kunden tragen weiter ihren Teil zum Problem bei, kaufen auf der Resterampe kurz vor Torschluss preiswert Euro-5-Diesel statt Euro-6-Modelle und scheren sich offenbar wenig um den Abgasausstoß. So wird das nichts mit der saubereren Luft. Die Politik hat es versäumt, die Industrie rechtzeitig an die Kandarre zu nehmen, wie das etwa bei den Lkw-Herstellern nach anfänglichen AdBlue-Tricksereien passiert ist und zudem erschwingliche und saubere Alternativen zum Diesel wie Erdgas zu fördern. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, jetzt wird an den Symptomen herumgedoktert. Die Umwelt hat mal wieder das Nachsehen - darüber hinaus die Kunden, die im Vertrauen auf den "sauberen Diesel" kauften. Und nicht zuletzt die Menschen in den Städten, die noch länger mit schlechter Luft leben werden müssen.




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