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Smart City Logistik Kongress - Endlich Strom geben

Bilanz beim 3. Smart City Logistik Kongress: E-Mobilität kann es aus der Theorie in die Praxis schaffen. Was noch fehlt: gezielte Beratung und Nachfrage. Beispiele, wo jetzt schon Strom fließt.

Elektromobilität im gewerblichen Einsatz funktioniert; die Technik selbst ist nicht das Problem. Aber es bedarf eines passenden Umfelds, entsprechender Infrastruktur und speziell abgestimmter Tourenplanung. Das ist das Fazit des dreijährigen Pilotprojekts „Smart City Logistik Erfurt“, das auf dem dritten, von Telematik­dienstleister Dako veranstalteten „Smart City Logistik (SCL) Kongress“ in Jena gezogen wurde.

Keinen einzigen Ausfall aufgrund der Elektrotechnik der eingesetzten Nutzfahrzeuge habe es gegeben, bilanzierte Prof. Dr. Uwe Adler von der Fachhochschule Erfurt, die das Projekt wissenschaftlich begleitete. Es gebe auf der Technikseite allerdings noch Verbesserungspotenzial, vor allem in Sachen Heizung/Kühlung, Tourenplanung, Schnellladefähigkeit sowie Lade­infrastruktur generell. In dem über drei Jahre laufenden Projekt wurden etwa E-Transporter vom Typ MB Vito E-Cell, vom Hersteller mittlerweile eingestellt, sowie Renault Kangoo Z.E. eingesetzt, etwa in der Apothekenbelieferung oder im Kuriereinsatz.

Von politischer Seite appellierte Christian Liebich vom Bundeswirtschaftsministerium, man müsse bei der Elektromobilität einen langen Atem haben, die jüngsten Entwicklungen im Hinblick auf eine Förderung machten aber Hoffnung auf eine stärkere Dynamik. Das Smart-City-Projekt gehe in die richtige Richtung. In Anbetracht des Abgasskandals finde bei den Autoherstellern ein Sinneswandel statt, der spät, hoffentlich nicht zu spät komme. Die Geschichte kenne viele Beispiele gescheiterter Unternehmen, die auf Veränderungen nicht schnell genug reagiert hätten, warnte der Ministeriale.

Der Thüringer Wirtschaftsminister und Ex-Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erklärte, man müsse die Zeichen der Zeit erkennen. „Deutschland muss bei der E-Mobilität zulegen“, sagte der Politiker. Gesucht werde die Antwort auf die Fragen: „Wie wollen wir in Zukunft gut leben? Wie funktioniert Mobilität im 21. Jahrhundert?“ Hierbei spiele die Logistik eine entscheidende Rolle. Die Fokussierung auf die Förderung privater E-Mobilität hält Tiefensee für falsch. In Thüringen wolle man stärker auf das Gewerbe abheben, das strahle in den Privatbereich ab, ist Tiefensee überzeugt. Dr. Harald Hempel vom beteiligten Softwareanbieter Dako wies auf die entscheidende Rolle einer passenden Flottentelematik bei der Einbindung von Elektrofahrzeugen in den bestehenden Fuhrpark hin. Im Laufe des Projekts habe man jetzt eine Version des Tacho-Web-Systems entwickelt, mit der sich Elektrofahrzeuge einbinden ließen, bis hin zur exakten Überwachung des Batterieladestandes und der Disposition abhängig von Witterungsbedingungen.

Apothekendienst: Touren auf E-Autos anpassen
Für die beteiligten Unternehmen brachte es Matthias Krause, Geschäftsführer der eLOG GmbH, auf den Punkt: „Elektromobilität im gewerblichen Einsatz ist schon heute möglich. Sie bedarf planerischer Anpassungen. Aber das ist alles lösbar.“ Seit März 2014 werden hier Erfurter Apotheken mit einem Renault Kangoo Z.E. durch den Partner eLOG Systembetrieb GmbH als Dienstleister des Pharmagroßhändlers Noweda beliefert. An bisher 110 Einsatztagen mit gesamt 7.700 gefahrenen Kilometern verblieben bei einer durchschnittlichen Tagestour von 86 Kilometern in der Regel mehr als 40 Kilometer im „Tank“. Da ist noch Luft. Unterm Strich muss man also die Touren dem Fahrzeug anpassen, nicht umgekehrt.

Sächsische Zeitung – Ökonomie und Ökologie
Die Zeitungszustellung kam als Anwendungsfeld im Verlauf des Projekts hinzu. Aber wie man hier vom Start weg ein ökonomisch und ökologisch sinnvolles Fuhrparkarrangement schafft, das bewiesen die Verantwortlichen von der Sächsischen Zeitung in Dresden. „Unser Paxster rechnet sich sofort“, stellt Nikolaus von der Hagen markant in den Raum.

Die kauzig aussehenden, aber sehr professionell gemachten Elektrofahrzeuge vom norwegischen Hersteller Loyd, dort in großer Zahl von der Post eingesetzt, wurden für die Zwecke der Zeitungszustellung speziell angepasst. Zwei maßgeschneiderte Zeitungsboxen finden vor der Windschutzscheibe Platz, in den Gfk-Aufbau passen 820 Liter Fracht. 200 Kilo Nutzlast sind über jeden Zweifel bei der Zustellung erhaben. Je nach Akku 60 bis 100 km Reichweite auch. 45 km/h genügen ebenfalls völlig und die Beschleunigung der vier kW starken Vehikel vom Start weg lässt auch keine Fragen offen.

Vorteile: „Erstens gehen die Dinger nicht kaputt, die Technik ist robust. Wir haben also eine längere Abschreibung, weniger Reparaturen“, skizziert von der Hagen. Zweitens spare man massiv Sprit: „Auf 300 Fahrzeuge gerechnet summiert sich das auf 500.000 Euro pro Jahr, Ersparnis 81 Prozent.“ Und drittens führt er eine massive Zeitersparnis ins Feld, die der Einsatz der gehwegtauglichen, wendigen Vehikel bringt. „Wir haben das mal hochgerechnet: Pro Fünfstundenschicht sparen wir 37 Minuten ein“, erzählt von der Hagen. Klar, ein Zeitungs-Auto, bisher VW up! oder ähnliche Kleinwagen, braucht erstmal einen Parkplatz, der Fahrer muss die Tür öffnen, ums Fahrzeug herumlaufen, lauter kleine Zeitfresser, die in Summe Kosten von 676.000 Euro jährlich verursachen. Aus dem briefkastennah platzierten Paxster springen die Fahrer raus, werfen die Zeitung ein und weiter geht’s.

Nebeneffekte: Statt sitzender Tätigkeit hinter dem Lenkrad lehnen die Fahrer am Lenker und sind stets an der frischen Luft. Und: Der Sympathiewert der Fahrzeuge sei enorm, die Fahrer kämen gut an – das wirke sich wiederum auf die Wahrnehmung der Sächsischen Zeitung als ökologisch-modernes Unternehmen aus.

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