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Umweltzonen: Umrüstung von Diesel auf Euro 6 problematisch

Analyse des Umweltbundesamts sieht hohe Kosten bis 5.000 Euro und technisch aufwändige Umsetzung. Keine Einigung in der Haftungsfrage für Umrüstungen.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat unter anderem von VW-Chef Matthias Müller ins Spiel gebrachten Pläne für die Umrüstung von Euro-5-Diesel-Modellen auf die Euro-6-Norm als höchst problematisch bezeichnet. Das geht aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vor, die einen vertraulichen Bericht des Amtes ausgewertet hat. Demnach wäre die Nachrüstung analog zur seinerzeitigen Nachrüstung mit Dieselpartikelfiltern technisch deutlich komplexer und dadurch extrem teuer. Das UBA errechnete Umrüstungskosten von 2.500 bis 5.000 Euro pro Fahrzeug. Damit widerspricht das Amt auch Aussagen des Filterspezialisten Twintec, der bereits in mehreren Städten Busflotten mit NOx-Katalysatoren nachgerüstet hat und für Pkw (und technisch verwandte Transporter) einen Preis von 1.500 Euro taxiert hat. Dieser Preis liege vermutlich über dem Wertverlust der Euro-5-Diesel, analysiert die SZ. Die Kosten für die Nachrüstung für Diesel-Pkw und Transporter der Stufe Euro 6 rechnet das UBA auf 3,7 Milliarden Euro hoch und hält laut SZ 293 Millionen Euro Einsparung bei den Gesundheitskosten dagegen.

 

Eine weitere Hürde sieht das Amt laut dem Bericht in der schwierigen Haftungsfrage im Falle von Reparaturen. Bei den komplexen SCR-Systemen seien eine Vielzahl möglicher Verursacher involviert, so die Analyse des UBA. In einem Fachgespräch mit den Herstellern habe man sich hier nicht einigen können. Die Praxis der SCR-Kat-Anwendung in Pkw und vor allem auch Nutzfahrzeugen hat gezeigt, dass diese Systeme sehr empfindlich reagieren. Fraglich ist auch der Nutzen der Umrüstung im Hinblick auf die Luftqualität in Städten: Die SCR-Abgasreinigung benötigt bekanntermaßen höhere Temperaten von knapp 200 Grad, um zu funktionieren. Auch die Sensorik für die Stickoxidmessung ist aufwändig und teuer.

 

Allerdings reklamiert der Hersteller Baumot Twintec für sein sogenanntes BNOx-System, dass es berteits bei Temperaturen von 150 Grad funktionieren soll und die Stickoxide um bis zu 94 Prozent reduziert. Das System erfülle damit bereits die neuen Real-Driving-Emission-Standards im Realbetrieb, die bei deutlich niedrigeren Temperaturen als im früheren Labortest stattfinden. Weitere Vorteile des BNOx-Systems seien die kompakte Bauform und die auch bei niedrigen Temperaturen ablagerungsfreie Funktion im Hinblick auf Harnstoffrückstände, verspricht der Anbieter.

 

Äußerst skeptisch im Bezug auf die Umrüstung von Euro 5 auf Euro 6 zeigte sich neben dem UBA auch der Verband der Automobilindustrie, der schon Anfang März auf Spiegel Online wissen ließ: "Eine komplette Nachrüstung von Euro 5 auf Euro 6 wäre sehr komplex und würde umfangreiche und tiefe Eingriffe in die Motorsteuerung und Abgasanlage erfordern". Der Verband sieht solche Maßnahmen als "technisch sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden" an.


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