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Elektromobilität: Alleingang der Post mit Streetscooter verärgert Volkswagen

VW-Chef Müller zeigt sich irritiert von der Initiative der Deutschen Post DHL, Elektrofahrzeuge selbst zu fertigen. Logistiker nahm 1000. E-Fahrzeug in Betrieb und verweist auf mangelndes Angebot der Hersteller.

Volkwagen-Chef Matthias Müller hat sich in einem Pressegespräch verärgert gezeigt über die Initiative der Deutschen Post DHL zur eigenständigen Fertigung von Elektroautos für den Lieferverkehr. "Mich ärgert das maßlos", zitierte die Wirtschaftswoche den VW Boss. Er frage sich, warum die Deutsche Post so etwas nicht gemeinsam mit VW auf die Beine stelle. Er habe den zuständigen VW-Nutzfahrzeuge-Chef Eckhard Scholz gebeten, Kontakt zur Deutschen Post aufzunehmen. "Wir werden sehen, ob wir da noch einen Fuß in die Tür kriegen", erklärte der VW-Chef laut WiWo. Der Logistiker hatte vor kurzem das 1000. vollelektrische Lieferfahrzeug vom Typ Streetscooter in Betrieb genommen und plant für 2017 eine sogar noch höhere Stückzahl von 10.000 Exemplaren. Bis Ende 2016 werden 2000 Streetscooter im Einsatz sein, 70.000 Exemplare könnten es insgesamt mal in der gelben Flotte werden, die schrittweise komplett elektrifiziert werden soll.

 

Laut Deutsche Post DHL habe man mit allen relevanten Herstellern vor Jahren Gespräche geführt, allerdings kein adäquates Fahrzeugangebot erhalten. Daraufhin habe der Konzern vor fünf Jahren selbst mit der Aachener Universität (RWTH) die Initiative ergriffen und schließlich vor drei Jahren die aus dem universitären Forschungsprojekt ausgegründete Streetscooter GmbH übernommen. Bei der fertigen mittlerweile 180 Mitarbeiter den Streetscooter. Auch die Entwicklung von ein- und zweispurigen, elektrisch unterstützten Lastenrädern war hier übrigens geplant.

 

Im Anschluss an die Akquise wurde das für die Lieferzwecke speziell gestaltete Fahrzeug samt Vier-Kubik-Kofferaufbau zur Serienreife entwickelt. Laut Deutsche Post DHL spart der Streetscooter im Vergleich zum einem konventionellen Diesel-Fahrzeug 1100 Liter Diesel pro Jahr. Nicht weniger wichtig: Das Fahrzeug hält deutlich länger. Die robusten Elektro-Komponenten ließen sich leichter tauschen, man rechne mit 20 Jahren Lebenszyklus, einen Sprinter versuche man, gut zehn Jahre einsatzbereit zu halten, rechnete Gerdes gegenüber der Süddeutschen Zeitung vor. Unterm Strich komme das Fahrzeug trotz der höheren Anschaffungskosten durch die günstigeren Betriebskosten nicht teurer als ein konventionelles Modell. Die Reichweite der Fahrzeuge sei im Liefereinsatz nicht das Problem, mehr als 50 bis 120 km würden nicht absolviert.

 

Für Deutsche Post DHL Brief- und Paketvorstand Jürgen Gerdes ist das allerdings nicht das letzte Wort, im Gegenteil. Derzeit gebe es Gespräche über eine eventuelle Weitergabe der neu aufgebauten Fahrzeugsparte an einen größeren Fahrzeugkonzern. Es würde ihn wundern, wenn am Ende nicht verkauft werde, äußerte Gerdes gegenüber der SZ und gab sich damit versöhnlich.

 

Neben der Deutschen Post DHL verfolgt vor allem US-Konkurrent UPS Pläne für eigenständige Elektro-Lieferfahrzeuge und das schon weit länger als der gelbe Konkurrent. Seit Jahren werden beim kleinen E-Fahrzeuganbieter EFA-S in Zell/Unter Aichelberg bei Stuttgart ausrangierte Paketfahrzeuge vom Typ Mercedes Vario und neuerdings auch Sprinter "upgecyled" und auf Elektro-Antrieb umgerüstet, allerdings in deutlich kleineren Stückzahlen als jüngst bei der Deutschen Post. Vor kurzem ging der 100. Elektro-Transporter, ein umgerüsteter, gebrauchter Sprinter mit UPS-Paketkofferaufbau, in Betrieb. Dass auch bei EFA-S die Stückzahlen steigen könnten, darauf deutete der Einstieg eines chinesischen Investors im Frühjahr hin: Der kleine E-Lieferwagen-Pionier wurde von der Beijing Zhonghuan Investment Management Co. zu 75 Prozent übernommen. Geplant sind Millioneninvestitionen in die Fertigung, die Produktionsfläche soll vervierfacht werden. Als Vertriebspartner für EFA-S fungiert der Fahrzeugbauer Orten, der ebenfalls eine Sparte für Elektromobilität gegründet hat und mit EFA-S gebrauchte 7,49- und 12-Tonnen-Lkw auf Elektroantrieb umrüstet. 


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